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Vier Hände und zwei Klaviere
(Aus: "Das Burgenländische Jahrhundert - Prominente erinnern sich")
Für die Familie Kutrowatz stand das Thema "Vor Ehrgeiz platzende
Eltern pushen begabte Sprösslinge" nie zur Diskussion. Die
Voraussetzungen dafür wären freilich günstig gewesen. Die Großmutter
väterlicherseits von Johannes und Eduard Kutrowatz war eine
hervorragende Sopranistin - auch die Eltern der international
renommierten Pianisten-Brüder aus Rohrbach haben Musik im Blut.
Trotzdem hatte man den Kutrowatz-Buben ihre musikalische Freiheit
gelassen. Wenn der Großvater mütterlicherseits - Melodien pfeifend -
im Haus unterwegs war, setzten sich die Enkel Johannes und Eduard flugs
ans Klavier und versuchten, die großväterlichen Weisen nachzuspielen.
Wenn den Brüdern danach war, baten sie ihren Vater, ihm dieses oder
jenes am Klavier vorspielen zu dürfen. Ohne Zwang, ohne die Angst
("Hoffentlich gefällt das dem Papa") im Nacken. "Wir
sind unserem Vater sehr dankbar. Er war für uns ein entscheidender
Wegbereiter", meint Johannes Kutrowatz.
Das Üben bedeutete für Johannes und Eduard Kutrowatz niemals Qual. Bei
diesem Fleiß und diesem Können war es eigentlich nur eine Frage der
Zeit, wann der ganz große Durchbruch zur Karriere gelingt. Die Brüder
Kutrowatz hatten sowohl in der Musikschule Mattersburg ("Unsere
Lehrerin Valerie Posch haben wir in sehr guter Erinnerung") als
auch im Eisenstädter "Joseph Haydn-Konservatorium"
("Unser ausgezeichneter Lehrer hieß Uwe Wolff"), in der
Wiener Musikhochschule sowie bei Meisterkursen in Freiburg und
Lockenhaus ihr Klavierspiel perfektioniert.
Dabei galt es durchaus nicht als sicher, dass die Kutrowatz Brüder
einmal gemeinsame Sache auf "Klavierstockerln" machen.
Johannes hatte vor allem das Spiel mit der Klarinette geliebt. Eduard
war begeisterter Schlagzeuger. Vor und nach den Klavierstunden. Ihre
Wiener Lehrerin Renate Kramer-Preisenhammer gab dann jedoch den
entscheidenden Anstoß. Erstens war sie von den musikalischen Fähigkeiten
ihrer Schützlinge restlos überzeugt - und zweitens: Sie brachte den
beiden Rohrbachern die Klavierduo-Philosophie näher. Die zwei Studenten
aus dem Burgenland fanden allmählich gefallen an dieser Idee. "In
der Musik des neunzehnten Jahrhunderts sind Werke, die vierhändig zu
spielen sind, oft die größten musikalischen Perlen", schwärmt
Johannes Kutrowatz heute.
Die Suche nach diesen Perlen verlief äußerst erfolgreich. Im Jahre
1986 gab es beim internationalen Musikwettbewerb im italienischen Stresa
"standing ovations" der Juroren. "Von diesem Zeitpunkt an
ging es recht steil bergauf", verrät Eduard Kutrowatz. Auftritte
im Wiener Musikverein und Wiener Konzerthaus, Gastspiele in der Londoner
"Wigmore-Hall", im Münchner "Herkulessaal" und in
der "Suntory-Hall" zu Tokio. Auch bei der Feldkircher "Schubertiade",
beim "Klavierfestival Ruhr", im Rahmen des Gaminger
"Chopin-Festivals", beim "Bregenzer-Frühling", bei
der New Yorker "Schubertiade" oder beim Eisenstädter
"Liszt-Festival" rissen Johannes und Eduard Kutrowatz die Zuhörer
zu Begeisterungsstürmen hin. Kaum ein Europäisches Land, in dem die
Rohrbacher noch nicht zu Gast waren. Das Duo aus dem Burgenland ist des
weiteren Konzertfans aus Japan, Korea und den USA ein Begriff. Sie
sorgen bei Konzertabenden für die Klavierbegleitung bekannter Sänger -
und scheuen sich nicht zu improvisieren. Falls die Stimmung passt. Sie
dirigieren (vom Klavier aus) Orchester und Chöre.
Johannes und Eduard Kutrowatz verstehen es, Musik "ihrer"
Komponisten wie Franz Schubert, Franz Liszt, Johannes Brahms, Johann
Strauß und Anton Dvorák virtuos zu Gehör zu bringen - sie (und ihr
Publikum) schätzen aber auch Melodien von George Gershwin oder Dave
Brubeck. Ein bekannter Musikkritiker hatte den Brüdern einmal
zugestanden, sie hätten sich die "kindliche Spielfreude
bewahrt". Die beiden Rohrbacher unisono dazu: "Für uns ein
ganz großes Kompliment".
Auszug mit freundlicher Genehmigung des Autors (Nov. 2000)
Reinhard Wenzl - PR Beratung - Tel: 02254 751 98 | |

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